GELENKSSCHMERZEN
Chronische Gelenksschmerzen

Modifizierter und aktualisierter Beitrag aus dem Buch "Ambulante und stationäre Therapie chronischer Schmerzen", herausgegeben von R. Le eser, ärztl. Dir. der Bad Mergen theimer Schmerzkliniken. Enke Verlag Stuttgart (Nov. 1995, 2. Auflage), ISBN 3-432-9932-1 * (Beurteilung im Deutschen Ärzteblatt, Heft 27, 5.7.1996: Ausgereiftes Handbuch der Schmerztherapie mit einem vorzüglichen pharmakologischen Überblick).

Die unten beschriebenen, invasiven (= in den Körper eindringenden) Therapiemethoden der speziellen Schmerztherapie setzen aber eine sehr gründliche fachärztliche Ausbildung voraus, weshalb sie nur in spezialisierten Einrichtungen angeboten werden können. Insbesondere sind die kontinuierlichen Nervenblockaden mittels eingepflanztem Katheter in Deutschland nur in ganz wenigen Schmerzzentren (Schmerzkliniken) durchführbar, so z.B. in Bad Mergen theim.

Gelenksschmerzen werden üblicherweise mit einem s geschrieben (Gelen k schmerz en). Nachdem diese Ansicht aber offensichtlich nicht alle teilen, schreiben wir den Begriff im Folgenden mit zwei s, um in den Suchmaschinen besser gefunden zu werden.

Gelenksschmerzen, auch als Arthrodyn ie oder Arthralg ie bezeichnet, können vielerlei Ursachen haben.

1.    Gelenksschmerzen, die auf eine Eigenerkrankung des betroffenen Gelenks zurückzuführen sind
Hier wäre an erster Stelle die Arthrose zu nennen, sie gehört zur Gruppe der vorwiegend degenerativen
(= abnutzungsbedingten) Gelenkerkrankungen, die (mit großen Schwankungen) erst mit zunehmendem Alter auftreten. 
Das Risiko, eine Arthrose zu bekommen, ist sehr hoch, vor allem im Alter. Bei über 70-jährigen Menschen ist bereits zu 80% eine Gelenkarthrose vorhanden, während nur 4% der 20-jährigen eine Arthrose haben, Frauen sind häufiger betroffen.
Bei der sog.
Arthrosis deformans (Arthropathia deformans) bestehen chronische, schmerz hafte, zunehmend funktionsbehindernde Gelenk veränderungen infolge eines Mißverhältnisses von Tragfähigkeit und Belastungen. Betroffen sind vor allem das Hüftgelenk und Kniegelenk .
Die Ausbildung einer
Gelenksarthrose und der damit verbundenen Gelenks schmerzen kann durch mehrere Faktoren begünstigt werden. So z.B. Überlastungen (Kniegelen ke beim Fliesenleger), Vorschädigungen infolge eines Unfalls oder auch eigenständige Gelenksentzündungen (Arthritiden).
Eine weitere häufige Ursache für Gelenksschmerzen sind natürlich Gelenkentzündungen, vom Mediziner als Art
hritis bezeichnet. Eine ausführliche Darstellung dieser Schmerz ursache finden Sie hier (einfach anklicken). Die Arthritis als Systemerkrankung (z.B. Oligoarthritis, Po lyarthritis) im Gegensatz zur Monoarthritis (Monarthritis) wird weiter unten beschrieben.
Gelenksschmerzen sind häufig auch unfallbedingt, im Vordergrund stehen dabei Prellungen. Relativ häufig sind Knieschmerzen nach Sportverletzungen, meist infolge einer Schädigung der Gelenkzwischenscheibe (Meniskus). 
Schulterschmerzen
können durch Verrenkung bzw. Ausrenkung entstehen. 
Eher selten können auch Tumore zu Gelenks
schmerzen führen, meist gehen diese von der Innenhaut der Gelenkkapsel (Membrana synovialis) oder von der Gelenkkapsel selbst aus. 
An gutartigen Tumoren kommen vor: Lipome
(= Fettgewebsgeschwulste), Fibrome (= Bindegewebsgeschwulste) oder Hämangiome (= Wucherungen von Blutgefäßen). Bösartig ist das maligne Synovialom.
 

  1. Gelenksschmerzen bei Gelenkentzündung (Arthritis) infolge einer Systemerkrankung
    Meist sind dabei mehrere Gelenke betroffen. In dieser Gruppe dürften rheumatische bzw. rheumatoide
    (= rheumaähnliche) Ursachen dominieren. 
    Bei der primär chronischen Polyarthritis (PcP), auch rheumatoide Arthritis oder Polyarthritis rheumatica genannt, handelt es sich um eine chronische, unterschiedlich fortschreitend verlaufende, entzündliche, destruierende
    (= mit Zerstörung einhergehenden) Gelenkerkrankung mit Beteiligung aller Gelenkstrukturen. Es besteht eine Tendenz zur Bewegung seinschränkung bis zur Ankylosierung (= vollständige Gelenksteife), aber auch zum Stabilitätsverlust der Gelenke, Beteiligung von Sehnenscheiden (Tenosynovitis) u. Sehnen mit entsprechenden Folgezuständen. Vor allem in Gelenknähe kommt es zu Bildung von Rheumaknoten unter der Haut. Typisch sind auch Muskel atrophien (= Verringerung der Muskelmasse), vor allem im Bereich des Hand rückens u. der Oberschenkel
    Es können auch Arterien befallen werden, die dann ebenfalls entzündlich reagieren (Vaskulitis). Selten sind auch Herz, Lungen und Augen beteiligt. 
    Auch Stoffwechselerkrankungen können zu einer Arthritis und damit zu Gelenksschmerzen führen. Zu nennen wäre hier die Harnsäuregicht (Arthritis urica). Davon sind hauptsächlich Groß
    zehen grundgelenke Mittelfuß und Sprunggelenke betroffen. 
    Im Jugendalter können Gelenksschmerzen im Rahmen einer systemischen juvenilen chronischen Osteoarthritis (Still Syndrom) auftreten, eine meist symmetrisch verteilte Polyarthritis
    (= En tzündung in mehreren Gelen ken). Begleitende Krankheitszeichen sind Fieber, Milz- und Lebervergrößerung sowie Lymphknotenschwellungen. 
    Auch die Schuppenflechte (Psoriasis) kann zu einer Gelenksentzündung führen. Bei der Psoriasis-Arthritis handelt es sich um eine fortschreitende, gelenkzerstörende Erkrankung, bevorzugt an Händen und Füßen.
    Bei oder nach Infektionskrankheiten (z.B. Masern, Mumps, Röteln, Windpocken) kann es ebenfalls zu Gelenksschmerzen kommen, sog. parainfektiöse reaktive Arthritiden.

Die verschiedenen Formen von Gelenkenzündungen werden hier ausführlich dargestellt (einfach anklicken)

Behandlung der Gelenksschmerzen:
Grundsätzlich gilt, daß durch eine geeignete Diagnostik
(= Maßnahmen zur Erkennung von Kran kheiten) versucht werden muß, eine für die geklagten Sch merzen ursächliche, spezifische Erkrankung zu entdecken. Gelingt dies, so muß diese zunächst kausal (= entsprechend dem Krankheitsbild) behandelt werden. 
Dazu Beispiele: Werden die Gelenksschmerzen durch eine bakterielle Infektion
(= Eindringen von Bakterien in den Mensch) verursacht (z.B. infektiöse Arthritis), so steht an erster Stelle natürlich eine Behandlung mit Antibiotika. Sind die Gelenksschmerzen Folge eines bereits weitgehend zerstörten Gelenkes, so kommt eigentlich nur die operative Einpflanzung einer sog. Endoprothese in Frage. 
Bei rheumatisch bedingten Gelenksschmerzen überläßt der Schmerztherapeut die medikamentös/ systemische Grundbehandlung dem erfahrenen Rheumatologen. Verbleiben nach einer krankheitsspezifischen Behandlung dennoch Gelenksschmerzen, so eignen sich zur Behandlung folgende Maßnahmen, wobei ein Dauerschmerz praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren erfordert.

Medikamentöse Schmerztherapie:
Akut (= plötzlich einsetzend, heftig) und subakut (= eher schleichend verlaufend) können bei Gelenksschmerzen zunächst (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika (= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (= Rheumamittel), aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende wie z.B. Mobec®). Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®) oder Etoricoxib (Arcoxia®), allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch Muskelrelaxanzien
(= Mittel zur Muskelentspannung) (z.B. Norflex®, Mydocalm®) verordnet werden.
Nach einer im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlichten Studie über Schmerzmittel soll das weltweit verbreitete und gerade bei Gelenksschmerzen häufig verschriebene Mittel Diclofenac das Risiko eines Herzinfarkts um 40 Prozent erhöhen.
Manchmal sind aber die chronische n Gelenksschmerzen nur mit zentralwirkenden Analgetika (z.B. Tramadol, Valoron N®)
(= im Gehirn bzw. Rücken mark wirkende Schmerzmittel) beherrschbar. 
Grundsätzlich sollte aber auch bei diesen Sch
merzen eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Schmerzmittelabhängigkeit vermieden werden. 
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression, u.a. aber auch gegen diese Sch merzen hilfreich) (z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel):
Bei anhaltenden Gelenksschmerzen sollten rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und Nervenblockaden. Dabei werden die schmerzhaften Gelenk
e wiederholt (stationär bei uns zwei mal täglich) großzügig perikapsulär (= um die Gelenkkapsel herum) infiltriert. 
Schmerzhafte Gelen
ke können auch mit "Zeel" umspritzt werden, was manchen Patienten mit "homöopathischer" Grundeinstellung sehr entgegen kommt. 
Als nächst höhere Therapiestufe kommen bei Gelenksschmerzen (chronische) wiederholte Nerven
 - bzw. Leitungsblockaden in Frage, in hartnäckigen Fällen auch kontinuierlich mit Katheter*:

Nerven und

 

 

 

 

 

Nervengeflechte:
----------------------------------

           zugehörige Gelen ke:
-------------------------------------------------------

 

Plexus brachialis:

Ellenbogen, Hand - und Fingergelenk e,

 

 

mit der retrograd hohen Variante* 

 

 

oder interskalenär** kann auch das 
Schultergelenk erreicht werden

Plexus lumbalis (mittels

 

 

 

N. femoralis-Katheter):

Hüftgelenk

 

 

 

N. femoralis:

Kniegelenk

 

 

 

N. ischiadicus:

Fußgelenk e

 

 

* Einpflanzung am Oberarm und Abstauung während der Katheterfüllung, ** Einpflanzung des Katheters im unteren, seitlichen Halsbereich

Grundsätzlich wird das Lokalanästhetikum (= örtliche Betäubungsmittel) jeweils so verdünnt verabreicht, daß nur die Sensibilität (= u.a. Schmerzempfindung) betroffen ist, die Motorik (= Muskelfunktion) aber erhalten bleibt und damit begleitend intensive, gelenkfunktionserhaltende sowie funktionsfördernde krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich sind, bzw. bei stärkeren Sch merzen durch Hemmung der Nozizeption (= Schmerzreizleitung) erst möglich werden. Diese Nervenblockaden haben darüber hinaus einen sehr günstigen Nebeneffekt. 
Durch die gleichzeitige Blockade vegetativer Nervenfaseranteile kommt es im korrespondierenden Gewebebereich zu einer sehr deutlichen Mehrdurchblutung, die jedem entzündlichen aber auch degenerativen
(= abnutzungsbedingten) Prozeß nachhaltig entgegenwirkt. In diesem Sinne ist diese Behandlung nicht nur symptomatisch (= nicht nur auf den Sch merz gerichtet), sondern auch kurativ (= auf die Ursache gerichtet).

Daß Lokalanästhetika (= örtliche Betäubungsmittel) auch entzündungshemmend wirken, ist zwischenzeitlich wissenschaftlich erwiesen. Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, so klicken Sie hier.

Physikalische Therapie bei Gelenksschmerzen (chronische):
Auch eine Elektrostimulation kann bei Gelenksschmerzen eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig über dem betroffenen Gelen
k aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden. Auch eine sog. Hochtontherapie kann sehr hilfreich sein
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist bei chronische
n Gelenksschmerzen eine oberflächliche Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist. 
Manche Patienten mit Gelenksschmerzen empfinden allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder können ebenfalls Gelenksschmerzen lindern, gleiches gilt für die Wärmekammer. Auch die Magnetfeldtherapie (pulsierende Signaltherapie) kann hilfreich sein.
Die Verordnung von Massagen ist auch bei chronische
n Gelenksschmerzen nicht sinnvoll. Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen Kosten. Nahezu unverzichtbar aber ist bei Gelenksschmerzen die heilgymnastische Therapie, da meist nur diese geeignet ist, Gelenkfunktionen zu fördern bzw. zu erhalten.

Andere Therapiemaßnahmen: 
Der Vollständigkeit halber darf die Akupunktur zur Behandlung chronische
r Gelenksschmerzen nicht unerwähnt bleiben. 
Hypnoide
(= bewußtseinsverändernde) Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung auch bei Gelenksschmerzen eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie. Bei chronische n Gelenksschmerzen ist auch ein Schmerzbewältigungstraining sinnvoll.

Wenn chronische Gelenksschmerzen längerfristig bestehen, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.

* Methodenbeschreibung "Kontinuierliche (repetitive) Nervenblockaden mit Katheter":

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Hüftgelenkschmerzen
         Schulterschmerzen
                    Kniegelenkschmerzen
                             Fußgelenkschmerzen
                                    Handgelenkschmerzen

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Aktualisiert: >22.02.2007</> ku sB
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L LeibschmerzenLeistenschmerzen, Lendenschmerzen, Lendenwirbelsäulenschmerzen, Lendenwirbelschmerzen, Lippenbrennen, Lippenschmerzen, Logensyndrom (www.logensyndrom.de), Lumbalschmerzen, Lunatumnekrose (www.lunatumnekrose.com), Lymphstau (www.lymphstau.com), LWS-Schmerzen
M
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N
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O OberarmschmerzenOberbauchschmerzen, Oberkieferschmerzen, Odontalgie, Osteochondropathie, Ohrenschmerz, Oberschenkelschmerzen, Ohrschmerzen (www.ohrschmerzen.de), Organschmerzen, Orofaziale Schmerzen, Osteoarthropathie, Osteodynie, Osteomyelitis (www.osteomyelitis.biz), Ostitis (www.ostitis.com), Otalgie, Otalgie, Osteoarthrosis, Osteoporose, Osteoporoseschmerzen (www.osteoporoseschmerzen.de)
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V
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W
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